14. Februar 2019

BUND, LNV und NABU zu Informationsveranstaltung zum Rückhalteraum Elisabethenwört: ja zu Sachinformationen und konstruktiver Diskussion, nein zu Parolen und Scheinargumenten

Kategorie: Naturschutz, Gewässerschutz

Idylle am Rußheimer Altrhein. Wie kann eine für Hochwasserschutz und Artenvielfalt zukunftsfähige Planung für den Rückhalteraum Elisabethenwört ausssehen? Der BUND setzt für die Beantwortung auf die Sachargumente aus der Auenökologie. Bild: VVND

Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Arbeitskreis Karlsruhe des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg (LNV) sowie die Kreisgruppe Karlsruhe des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) äußern sich positiv zur für den 14. Februar 2019 angekündigten Informationsveranstaltung und fordern zu einer sachlichen und konstruktiven Diskussion auf. Wenn allerdings – wie von örtlichen Bürgerinitiativen angekündigt - längst widerlegte Parolen und Unterstellungen in den Vordergrund gestellt werden, wird die Chance vertan, dass sich Bürgerinnen und Bürger informieren und sachorientiert einbringen können.

Dettenheim/Philippsburg/Karlsruhe. BUND, LNV und NABU begrüßen die Informationsveranstaltung des Regierungspräsidiums Karlsruhe zum Rückhalteraum Elisabethenwört und ordnen diese wie folgt ein: Hochwasserschutz und die Erhaltung der Vielfalt der Arten und Lebensräume der Auen sind Aufgaben von  internationaler Bedeutung. Die Planung der einzelnen Maßnahmen ist eine hochkomplexe Aufgabe, die dann am besten gelingt, wenn die Arbeit der Fachleute aus Wasserwirtschaft und Auenökologie durch die Beteiligung von Kommunen, Verbänden und Bürgerinnen und Bürgern ergänzt wird. Voraussetzung ist jedoch, dass ein regelmäßiger Informationsaustausch stattfindet und sich alle Beteiligten zu einer sachlichen und konstruktiven Diskussion verpflichten.

Leider ist zu konstatieren, dass von Lokalpolitikern und Bürgerinitiativen immer wieder Argumente in die Öffentlichkeit getragen werden, die durch Planer des Regierungspräsidiums sowie durch unabhängige Experten längst widerlegt worden sind:
„Der Wald im Rückhalteraum Elisabethenwört profitiert von regelmäßiger Überflutung. Von einer Katastrophe für den Wald durch die geplante Dammrückverlegung kann keine Rede sein. Alte Hochwassermarken im Wald zeigen, dass die ältere Baumgeneration mit meterhohen Hochwässern aufgewachsen ist. Nur durch regelmäßige Überflutungen und Durchströmung – wie durch die Dammrückverlegung optimal ermöglicht - wird gewährleistet, dass beim Hochwassereinsatz des Rückhalteraums es zu keinen verheerenden Waldschäden kommt“, erläutert Dr. Klaus-Helimar Rahn, Sprecher des LNV-Arbeitskreises Karlsruhe.

„Das Naturschutzgebiet Rußheimer Altrhein–Elisabethenwört besitzt bereits heute eine große Wertigkeit für den Naturschutz. Zukünftig wird die Insel Elisabethenwört, also ein Teil des Naturschutzgebiets, auch einen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten. Gerade dort bestehen große Potenziale für eine Aufwertung für die Artenvielfalt wie auch die naturverträgliche Erholung: blütenreiche Wiesen können entstehen, eine halb offene Auenlandschaft mit Gehölzgruppen kann entwickelt werden. Heute vom Rhein abgetrennte Auelebensräume werden wieder mit ihm verbunden. Diese Auenrenaturierung ist mit der beantragten Dammrückverlegung möglich und diese unterstützen wir nachdrücklich“, erklärt Artur Bossert, stellvertretender Vorsitzender des NABU Kreisverbands Karlsruhe.

„Typisch für natürliche Auen am Oberrhein war das Nebeneinander von schnell durchströmten, langsam durchflossenen und stehenden Gewässerabschnitten, den abgeschnittenen Altarmen. Durch die Begradigung und den Deichbau steht heute die kanalartig ausgebaute, schnell durchströmte Wasserstraße abgetrennt durch Deiche den verlandenden Altrheinarmen gegenüber. Die Verbindung zwischen Rheinstrom und seiner Aue ist durch die Deiche gekappt und es mangelt an episodisch überströmten Bereichen. Damit sind die wertvollen Fischkinderstuben verloren gegangen. Gerade durch die beantragte Deichrückverlegung wird die bestmögliche Durchströmung wiederhergestellt und großflächig stehende Wasserflächen werden vermieden. Wer also Angst vor stehendem Wasser auf 400 ha Fläche und Schnakenbrutstätten hat, der sollte sich für die Dammrückverlegung einsetzen, die besser als ein Polder mit seinen kleinen Aus- und Einlassbauwerken eine Durchströmung gewährleisten kann“, verdeutlicht BUND-Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe.

Für die Naturschutzverbände BUND, LNV und NABU stellt die vom Land geplante Vorzugsvariante „Kleine Dammrückverlegung“ einen Kompromiss dar, der auf Elisabethenwört bestmöglich dazu beiträgt, den naturverträglichen Hochwasserschutz voran zu bringen. In Bezug auf die Wiederherstellung naturnaher Auen mit Ihrer Funktion als Biodiversitäts-Hotspot und für den natürlichen Hochwasserschutz ist diese kleine Lösung jedoch nur als ein kleiner Baustein zu sehen, dem am Oberrhein große weitere Flächen folgen müssen.




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