4. Februar 2021

BUND zur Hochwassergefahr am Rhein: Rückhalteräume dringend benötigt

Kategorie: Naturschutz

Natürliche Auen schützen vor Hochwassergefahren und sind wertvolle Lebens- und Erholungsräume für Natur und Mensch - Foto: Hartmut Weinrebe

Karlsruhe. Mit dem schnellen Ende des Regens der letzten Tage ist zum Wochenende mit einer Entspannung der Hochwasserlage am Rhein zu rechnen. Doch hätte sich der ergiebige Regen noch einige Tage fortgesetzt, hätte es auch schnell brenzlig werden können, so die Bewertung des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).
Für den BUND ist deshalb klar: Bau und Planung der beiden Rückhalteräume des Integrierten Rheinprogramms Bellenkopf/Rappenwört und Elisabethenwört in der Region Mittlerer Oberrhein dürfen nicht verzögert werden. Und zusätzlich müssen weitere Flächen als Dammrückverlegungen wieder an den Rhein angeschlossen werden. Denn die Hochwassergefahr am Oberrhein ist menschengemacht. Durch den Bau von Staustufen und den technischen Ausbau des Rheins vom natürlichen Fluss zum technisch zwischen Dämme gezwängten Kanal hat sich das Hochwasserrisiko massiv verschärft.

„Dem Menschen wird hier mal wieder vor Augen geführt, wie gefährlich sein Eingriff in die Land-schaft werden kann“, beschreibt Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des BUND Mittlerer Oberrhein. Die Warnungen sind nicht neu: Nach den Extremhochwässern Mitte der 1990er-Jahre und dem lang andauernden „Pfingsthochwasser“ von 1999 hatten der BUND und andere Umweltverbände gefordert, dass aus Hochwasser wieder Breitwasser werden muss.

Vor diesem Hintergrund begrüßt der BUND den nach inzwischen jahrzehntelanger Planung endlich vorliegenden Planfeststellungsbeschluss zum Polder Bellenkopf/Rappenwört. „Wir sind zwar weiterhin der Auffassung, dass eine Dammrückverlegung gegenüber dem jetzt genehmigten gesteuerten Polder die eindeutig vorzugwürdige Variante wäre. Deshalb sehen wir beim Rückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört eine verpasste Chance. Dennoch unterstützt der BUND die vorliegende Planung in den wesentlichen Grundzügen und betrachtet die vorgesehenen ungesteuerten ökologischen Flutungen als einen Kompromiss, der bei konsequenter Umsetzung zumindest die Mindestanforderungen für die Schaffung einer annähernd natürlich überfluteten Aue erreichbar macht und zugleich einen bedeutenden Beitrag zum Hochwasserschutz zu leisten vermag“, so Ludwig Schulz, Vorsitzender des BUND Rheinstetten und Mitglied des Regionalvorstands.
„Besonders positiv bewerten wir, dass die Genehmigungsbehörde unserer Forderung auf den Ver-zicht des südlichen Teils des Grabens 3 gefolgt ist. Insgesamt werden so anlagebedingte Eingriffe in 0,7 ha Wald sowie 0,4 ha Offenlandfläche vermieden“, ergänzt Schulz.

Um auch Schutz vor zukünftigen Hochwassergefahren zu bieten und zugleich neue Chancen für die Wiederherstellung der bedrohten besonders artenreichen Lebensräume der Rheinauen zu eröffnen, fordert der BUND, dass die Planungen für die Schaffung natürlicher Rückhalteräume vom Land aufgenommen werden. „Es ist höchste Zeit, dass das Land Baden-Württemberg mit seinen Bürgerinnen und Bürgern dem Rhein wieder mehr Raum gibt und gegen das Artensterben in der Flussaue aktiv wird“, mahnt Hartmut Weinrebe. Er erinnert: „Voruntersuchungen zu geeigneten Flächen für Dammrückverlegungen wurden bereits Anfang der 1990er-Jahren vom Rastatter Aueninstitut, das heute dem KIT angegliedert ist, durchgeführt. Insbesondere der Bereich zwischen Iffezheim und der Murgmündung sollte hier in den Fokus genommen werden.“

Zum planfestgestellten Polder Bellenkopf/Rappenwört beschreibt Ludwig Schulz das weitere Vorgehen: „Wir werden die nächsten Tagen und Wochen die Details des Planfeststellungsbeschlusses betrachten. Unser Hauptaugenmerk wird dabei auf alle artenschutzrelevanten Aspekte und den Landschaftspflegerischen Begleitplan gerichtet sein. Bei konsequenter Umsetzung wird der Rückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört nicht nur den Hochwasserschutz deutlich verbessern, durch die Wiederherstellung auennaher Biotope kann sich der Rückhalterraum zu einem großen Projekt für den Artenschutz entwickeln. Nicht zuletzt deshalb hoffen wir, dass die dringend notwendige Umsetzung des Projekts nicht durch Klagen verzögert wird.“




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