8. November 2016

Erörterungstermin für den Hochwasserrückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört (8. bis 10.11.2016) - Ja zum Hochwasserschutz … Land vergibt jedoch Chance

Kategorie: Gewässerschutz, Naturschutz
Rheinaue mit Altrheinarm südlich Rappenwört - Foto: Hartmut Weinrebe

Rheinstetten/Stuttgart. „Mit der vorliegenden Planung vergibt das Land eine einzigartige Chance, Hochwasserschutz und Naturschutz zusammenzubringen. Hochwasserschutz und die Wiederherstellung naturnaher Auen sind gleichrangige Ziele im Integrierten Rheinprogramm (IRP). Mit aller Kraft muss sich das Land endlich dafür einsetzen, dass der geplante Rückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört so schnell wie möglich einen Beitrag zum Hochwasserschutz leistet und gleichzeitig den Tier- und Pflanzenarten der Aue gute Lebensbedingungen bietet“, sagt die Landesvorsitzende des BUND in Baden-Württemberg, Dr. Brigitte Dahlbender.

Kritik vom BUND an den Plänen für Rückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört

Der BUND in Baden-Württemberg wird sich beim Erörterungstermin vom 8.-10.11. im Konferenzsaal der Messe Karlsruhe dafür einsetzen, die Mängel der vorliegenden Planung auszumerzen und vermeidbare Eingriffe zu unterlassen. So plant der Landesbetrieb Gewässer als Vorhabenträger den bestehenden Hochwasserdamm XXV als dann 50 Meter breite Schneise von Grund auf neu zu bauen obwohl dieser zukünftig keine Schutzfunktion für Leib und Leben erfüllen muss. Die Schutzfunktion wird zukünftig der neu gebaute binnenseitige Damm XXVI übernehmen. Der BUND fordert, diesen Eingriff in den Auwald zu unterlassen. Ebenso macht sich der BUND dafür stark, auf die geplante Anhebung der Hermann-Schneider-Allee um mehr als zwei Meter verzichten, um so einen weiteren Kahlschlag im Auwald zu vermeiden.

Naturnahe Lösungen

Zwar unterstützt der BUND das Vorhaben eines Rückhalteraums Bellenkopf/Rappenwört, gleichwohl übt Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des BUND Mittlerer Oberrhein, grundsätzliche Kritik an der vom Vorhabenträger gewählten Variante: „Statt mit einem gesteuerten Polder ist der erforderliche Schutz auch mit einer Deichrückverlegung zu erzielen, bei welcher der Rhein den Raum frei je nach Wasserstand durchströmt. Durch eine naturnahe Deichrückverlegung könnte auf über 500 Hektar eine Revitalisierung der Auenlandschaft entstehen. Doch das Land verfolgt stattdessen teure und technisch aufwändige Pläne, die eine viel geringere Durchströmung bei Hochwasser erzielen.“

Doch auch bei dem vom Landesbetrieb Gewässer beantragten gesteuerten Polder sind ökologische Flutungen, die regelmäßig dem Rückhalteraum Rheinwasser zuführen, erforderlich und geplant. „Die im Antrag vorgesehenen ungesteuerten ökologischen Flutungen sind die Basis aller Bewertungen in der Umweltplanung und Grundlage des angestrebten Planfeststellungsbeschlusses. Wenn die Variantenentscheidung für einen gesteuerten Polder getroffen wird, unterstützen wir den Planfeststellungsantrag in diesem Punkt nachdrücklich. Sollte allerdings von den ungesteuerten Ökologischen Flutungen Abstand genommen werden, würde das Projekt weit zurückgeworfen, da die Umweltplanung komplett überarbeitet werden müsste. Im Fall des Baus eines gesteuerten Polders fordern wir die schnellstmögliche Einführung und dann dauerhafte Gewährleistung ungesteuerter Ökologischer Flutungen – wie vom Vorhabenträger beantragt“, ergänzt Weinrebe.

Zudem fordert Weinrebe ein Risikomanagement-Konzept für den Bau und Betrieb des Rückhalteraums: „Der Landesbetrieb Gewässer muss nachvollziehbar darlegen, wie er mit Unwägbarkeiten im Umgang mit geschützten Arten und Lebensräumen umgeht. Der Vorhabenträger hat noch immer kein Risikomanagement-Konzept vorgelegt. So geht er leichtfertig das Risiko von Baustopps oder kostenträchtigen Sanierungsmaßnahmen ein.“

„Es ist höchste Zeit, dass praxistaugliche und verbindliche Maßnahmenkonzepte für das Überleben von bedrohten Tier- und Pflanzenarten vorgelegt werden. Sonst verfehlt das Land seine Ziele im Hochwasser- und Naturschutz. Das IRP sollte eigentlich schon bis 2015 umgesetzt sein“, so die Landesvorsitzende Dahlbender.

Das Engagement des BUND für „Lebendige Auen am Oberrhein“ wird unterstützt von der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH)




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