20. Januar 2020

Länderübergreifendes Bündnis begrüßt erfolgreiche Ertüchtigung der B 10-Rheinbrücke Maxau und fordert Ausbau des ÖPNV-Angebots für Pendler

Kategorie: Verkehr
Die beiden bestehenden Rheinbrücken zwischen Wörth und Karlsruhe im Luftbild. Ein länderübergreifendes Bündnis begrüßt die erfolgreiche Ertüchtigung der B 10-Rheinbrücke Maxau und fordert den Ausbau des ÖPNV-Angebots für Pendler auf der parallelen Eisenbahnbrücke. Bild: Eric Reiff

Die beiden bestehenden Rheinbrücken zwischen Wörth und Karlsruhe im Luftbild. Ein länderübergreifendes Bündnis begrüßt die erfolgreiche Ertüchtigung der B 10-Rheinbrücke Maxau und fordert den Ausbau des ÖPNV-Angebots für Pendler auf der parallelen Eisenbahnbrücke. Bild: Eric Reiff

Karlsruhe/Wörth – 20.01.2020. Die Mitglieder des länderübergreifenden Bündnisses gegen eine zusätzliche Straßenbrücke über den Rhein zwischen Wörth und Karlsruhe sind sich einig: Der Abschluss der Ertüchtigungsarbeiten an der bestehenden Straßenbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe ist eine gute Nachricht. Nach der Ertüchtigung ist die Rheinbrücke auch zukünftigen Verkehrsbelastungen auf dieser Achse gewachsen.

„Es hat sich wie andernorts auch gezeigt: Pendler ändern ihr Verkehrsverhalten, wenn die Fahrt mit dem Pkw unbequemer ist bzw. deutlich länger dauert“, kommentiert Karin Marsiske von der BUND-Kreisgruppe Südpfalz die Bauzeit. „Wegen der längeren Fahrzeit mit dem Pkw während der Bauarbeiten stiegen viele auf andere Verkehrsmittel um, obwohl die Zusatzangebote auf der Schiene keineswegs ausreichend waren. Ein dauerhaft besseres ÖPNV-Angebot in der Südpfalz und auf der bestehenden Eisenbahnbrücke über den Rhein ist überfällig.“

„Vorschläge wie eine engere Taktung, die Durchbindung Rhein-Neckar-S-Bahn über Wörth nach Karlsruhe Hbf oder die Elektrifizierung der Strecke von Wörth nach Neustadt samt zweigleisigem Ausbau bis Winden liegen seit Jahren auf dem Tisch. Dann fiele es vielen Pendlern leichter, sich dauerhaft für den Verbund von Rad/E-Bike und ÖPNV zu entscheiden. Stattdessen kam die falsche Entscheidung, das ÖPNV-Angebot mit Ende der Baumaßnahme wieder zurückzufahren. Angesicht der für den Klimaschutz notwendigen Verkehrswende ist das ein völlig falsches Signal“, betont Reiner Neises vom Verkehrsclub Deutschland (VCD)

„In der Anfangszeit der Sanierung bildeten sich lange Staus auch in Wohngebieten und auf gesperrten Feldwegen, weil zahlreiche Pendler den Stau auf den Hauptstraßen umfahren wollten. Durch effektive Gegenmaßnahmen der Karlsruher Stadtverwaltung konnte dieser Missstand behoben werden, dennoch zeigte sich auch in der restlichen Zeit der Sanierung, dass in den meisten Fahrzeugen aus dem Umland nur eine Person saß. Statt eines teuren Neubaus einer Brücke könnte die Schaffung eines komfortablen Mitfahrermanagements für einen Bruchteil der Kosten zu einer Reduzierung des Staus beitragen.“ So fasst der Bürgerverein Knielingen die Bauphase und eine einfache aber effektive Alternative zum Bau einer zusätzlichen Straßenbrücke zusammen.

„Es hat sich bestätigt, dass das Straßennetz in Karlsruhe keinen zusätzlichen Verkehr vertragen kann. Eine zusätzliche Straßenbrücke über den Rhein würde dieses Problem noch verschärfen, egal wo und wie sie an das Straßennetz angebunden würde“, ergänzt Marcus Dischinger, Vorsitzender des Bürgervereins Nordstadt aus Karlsruhe.
„Wichtig ist die Radverkehrsverbindung zwischen der Pfalz und Karlsruhe. Statt eine Verbesserung würde allerdings der Bau der geplanten so genannten 2. Rheinbrücke deutliche Verschlechterungen für die Radfahrerinnen und Radfahrer bedeuten“, verdeutlicht Christian Büttner für den Kreisverband Karlsruhe des ADFC.

„Mit der durchgeführten Ertüchtigung entfällt auch ein immer wieder für den Bau einer zusätzlichen Straßenbrücke angeführtes Argument. Viele Jahre lang, beispielsweise im Raumordnungsbeschluss, wurde die Planung einer so genannten 2. Rheinbrücke mit der anstehenden Generalsanierung der bestehenden Brücke begründet. Nun ist die bestehende Brücke saniert und ertüchtigt – und dies ist ohne zusätzliche Brücke gelungen“, stellt BUND-Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe klar.
„Die Stadt Karlsruhe und der BUND liegen mit ihren Klagen gegen eine zusätzliche Straßenbrücke vollkommen richtig. Wer in Zeiten der Klimakrise noch auf den Neubau von Fernstraßen für immer mehr Güter- und Pendlerverkehr setzt, der manövriert unser Land in eine verkehrspolitische Sackgasse“, ergänzt Weinrebe. „Wir klagen deshalb im Interesse von Mensch und Umwelt, so aktuell mit der Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Koblenz, in dem die BUND-Klage überwiegend abgewiesen wurde.“

In Baden-Württemberg erwartet der BUND im laufenden Jahr die mündliche Verhandlung seiner Klage. Der kostspieligen Klageweg für mehr Natur- und Klimaschutz und gegen die Verschwendung von Steuermitteln in dreistelliger Millionenhöhe muss aus Spenden finanziert werden. Denn in der Politik ist statt einer Verkehrswende noch immer die Betonpolitik des vergangenen Jahrhunderts angesagt, beklagen die Vertreterinnen und Vertreter aus Umwelt- und Verkehrsverbänden sowie Bürgervereinen des länderübergreifenden Bündnisses gegen eine zusätzliche Straßenbrücke über den Rhein zwischen Wörth und Karlsruhe und erinnern an ein zentrales Ergebnis des Faktenchecks „Leistungsfähige Rheinquerung“ aus dem Jahr 2011: Aus Kapazitätsgründen ist eine 2. Straßenbrücke nicht notwendig; der Engpass liegt nicht auf der nun ertüchtigten Brücke mit ihren drei Spuren je Richtung, sondern in den Zulaufstrecken und insbesondere im Karlsruher Straßennetz, das in den Spitzenstunden an vielen Stellen an seine Grenzen gerät.“




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