9. Januar 2015

Pressegespräch zum Jahreswechsel 2014/15: BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein stellt Arbeitsschwerpunkte und Ziele vor

Pressegespräch des BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein: Der Regionalvorsitzende Armin Gabler (Mitte), die stellvertretende Regionalvorsitzende Helga Terlinden-Steinig (rechts) und Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe (links) stehen Rede und Antwort - Foto: BUND

Pressegespräch des BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein: Der Regionalvorsitzende Armin Gabler (Mitte), die stellvertretende Regionalvorsitzende Helga Terlinden-Steinig (rechts) und Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe (links) stehen Rede und Antwort - Foto: BUND

Karlsruhe. Zum Jahresauftakt stellt der Regionalverband Mittlerer Oberrhein des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am 9. Januar 2015 in der BUND-Regionalgeschäftsstelle in Karlsruhe Arbeitsschwerpunkte sowie Ziele und Herausforderungen vor. Rede und Antwort stehen der Regionalvorsitzende Armin Gabler, die stellvertretende Regionalvorsitzende Helga Terlinden-Steinig sowie der Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe.

I.    Wildkatze

Die Wildkatze hat weiterhin hohe Priorität für den BUND: Die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderten Lockstockerhebungen werden fortgeführt. Bisher konnten die ehrenamtlichen Aktiven des BUND zehn Wildkatzen-Individuen entlang des Rheins zwischen Philippsburg und der Murgmündung nachweisen. Die Wiederherstellung von Wanderkorridoren für die Wildkatze und andere waldgebundene Arten ist nun vordringliches Ziel: Der BUND setzt sich für Maßnahmen ein, die eine Querung der Autobahnen A 8 und A5, der Bundesstraße 36 sowie der Eisenbahntrassen ermöglichen, damit in Zukunft wieder Wildtiere vom Rhein zum Schwarzwald wandern können. Mit dem Wildkatzen-Walderlebnispfad bei Bad Herrenalb und Loffenau spricht der BUND Familien und Erholungssuchende an und gibt Informationen zu der lange verschollenen Art. Seit 2014 besteht die Möglichkeit, dort ein „Wildkatzen-Diplom“ zu erwerben. Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe vermittelt bei Führungen anschaulich Hintergrundwissen zu Naturschutz im Wald und Biotopverbund.

II.    Atomkraftwerk Philippsburg

Während Block 2 des Atomkraftwerks Philippsburg voraussichtlich noch bis Ende des Jahres 2019 im Leistungsbetrieb eine dauernde Gefahr für die Menschen in der Region darstellt und neuen Atommüll produziert, laufen derzeit die Vorbereitungen für die Stilllegung und den Rückbau des Blocks 1. Die öffentliche Auslegung der Antragsunterlagen der EnBW wird voraussichtlich über 4 Wochen ab Februar / März 2015 erfolgen. Ziel des BUND ist es, mit einer qualifizierten Stellungnahme dazu beizutragen, dass es beim Rückbau keine Sicherheitsrabatte für den finanziell klammen Energieversorger EnBW gibt. Dem Schutz von Mensch und Umwelt und der Vermeidung von radioaktiven Emissionen muss höchste Priorität eingeräumt werden, so die Forderung des BUND. Kritisch sieht der BUND das vorgesehene so genannte „Freimessen“ von schwach strahlenden Reststoffen und Abfällen, bei dem Reststoffe - ohne verfolgt zu werden - deponiert oder wiederverwendet werden können. Die Kritik des BUND: Da bei der Stilllegung der Atomkraftwerke und Forschungsreaktoren in Baden-Württemberg eine sehr große Menge solcher Materialien anfällt, ist nicht auszuschließen, dass die freigegebenen Mengen so groß sind, dass die Einhaltung des Strahlenschutzzieles für die Bevölkerung durch die Freigabe „frei gemessener Reststoffe“ gefährdet ist. Beim Verfassen der Stellungnahme wird der BUND auch auf externe Fachgutachter zurückgreifen. Der Erörterungstermin, in dem die Stellungnahmen des BUND aber auch der Kommunen und Bürgerinnen und Bürger verhandelt werden, ist frühestens etwa 2 Monate nach dem Ende der öffentlichen Auslegung – also möglicherweise noch vor den Sommerferien - zu erwarten.

III.    Leistungsfähige Rheinquerung zwischen Wörth und Karlsruhe / Rheinbrücke

Eine Steigerung des Kraftfahrzeugverkehrs in der Region Karlsruhe steht im Widerspruch zu den Zielen, die gesundheitsschädlichen Belastungen für Mensch und Natur durch Abgase und Lärm zu reduzieren. Der BUND lehnt deshalb den Bau einer weiteren Brücke für den Kraftfahrzeugverkehr zwischen Wörth und Karlsruhe ab. Gemeinsam mit Bündnispartnern in Rheinland-Pfalz und dem Elsass, Umwelt- und Verkehrsverbänden sowie Bürgervereinen setzt sich der BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein für Alternativen ein, die eine leistungsfähige Rheinquerung zwischen Wörth und Karlsruhe gewährleisten. Aufgrund der schwer wiegenden Eingriffe in Lebensräume europarechtlich streng geschützter Arten sowie Planungsmängeln, ist die vorgelegte Brückenplanung nach Einschätzung des BUND nicht genehmigungsfähig. Für den Fall eines Planfeststellungsbeschlusses für eine weitere Rheinbrücke beabsichtigt der BUND mit seinen Bündnispartnern eine Klage einzureichen. Um dies zu ermöglichen, sind Spenden aus der Bevölkerung notwendig.

IV.    Lebendige Auen: Hochwasserschutz und Naturschutz vereinen / Retentionsräume Bellenkopf/Rappenwört und Elisabethenwört

Sowohl Hochwasserschutz wie auch der Naturschutz gehören zu den Staatsaufgaben. Beide lassen sich in hervorragender Weise durch die Wiederherstellung naturnaher Auen vereinen. Mit dem mehrfach von der Landesregierung bestätigten Rahmenkonzept für das Integrierte Rheinprogramm (IRP) verfolgt Baden-Württemberg genau diese Ziele: Wiederherstellung des Hochwasserschutzes wie er vor dem Oberrheinausbau bestand und Renaturierung der Oberrheinauen. Zwei noch nicht gebaute Hochwasserrückhalteräume des IRP liegen in der Region Mittlerer Oberrhein: Bellenkopf/Rappenwört südlich Karlsruhe und Elisabethenwört bei Philippsburg. Der BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein setzt sich dafür ein, dass Hochwasserschutz und Naturschutz bei den Planungen in optimaler Weise verbunden werden. Den im Herbst 2014 seitens der Stadt Karlsruhe verkündeten Ausstieg aus der Projekt „Wasserwerk Kastenwört“ sieht der BUND auch als wichtigen Erfolg seines Einsatzes für die Auen am Rhein.

V.    Finanzen / Mitgliedergewinnung

Nur dank der Zuwendungen von Spendern und Förderern kann die Arbeit des BUND-Regionalverbands aufrecht erhalten werden, kann die hauptamtlich besetzte Geschäftsstelle die ehrenamtlich aktiven Mitglieder des BUND und befreundeter Gruppen in der Region unterstützen, Behördentermine wahrnehmen, Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantworten. Ein großer Anteil des Haushalts wird durch die Förderung durch den BUND-Landesverband gedeckt, es verbleibt jedoch eine Lücke. Jahr für Jahr muss der BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein deshalb Spenden und sonstige Zuwendungen in einer Höhe von mehreren Tausend Euro neu einwerben. Sowohl Einzelspenden wie Dauerspenden als Patenschaft für die Regionalgeschäftsstelle sind möglich.
Als Mitgliederverband basiert der Erfolg des BUND auf seiner Basis an Mitgliedern, die sich ehrenamtlich mit Sachverstand und Tatkraft engagieren und die finanzielle Unabhängigkeit des Verbands gewährleisten. Um den Umwelt- und Naturschutz in der Region Mittlerer Oberrhein zu stärken, startet der BUND deshalb am 12. Januar eine zehnwöchige Kampagne zur Mitgliedergewinnung. Ein Team des BUND wird über die regionale Arbeit des Naturschutzverbands informieren. Ziel ist es, 1000 neue Mitglieder zu gewinnen.

Für Rückfragen:

Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer: Tel. 0721 358582, bund.mittlerer-oberrhein@bund.net

Der BUND-Regionalverband Mittlerer Oberrhein

Gegründet am 29.5.1978 vertritt der Regionalverband Mittlerer Oberrhein des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die rund 6000 Mitglieder und Förderer des BUND in den Kreisen Karlsruhe, Baden-Baden und Rastatt. Der Regionalverband ist eine Untergliederung des BUND Landesverband Baden-Württemberg e.V.. Er unterstützt die derzeit 13 aktiven BUND-Gruppen zwischen Bühl und Philippsburg, Karlsruhe und Bretten, die BUNDjugend sowie die BUND-Kindergruppen in der Region. Die BUND-Regionalgeschäftsstelle koordiniert zudem die Stellungnahmen aller nach § 63 BNatSchG anerkannter Naturschutzverbände in den Kreisen Karlsruhe. Regionalvorsitzender ist seit 1997 Armin Gabler aus Graben-Neudorf.




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