6. September 2016

Schadstoffbelastung in Räumen des KIT am Schloss: Lehr- und Forschungsbetrieb muss wegen Belastung mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) umziehen – BUND Karlsruhe fordert Aufklärung

Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals (GHS) pictogram for substances hazardous to human health.

Karlsruhe. Zur Frage der Gefährlichkeit von Polychlorierten Biphenylen (PCB) in der Atemluft erreichten in den letzten Tagen den Ortsverband Karlsruhe des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zahlreiche Anfragen von Studierenden und Beschäftigten des KIT. Anlass war offenbar, dass seit vergangener Woche die Nutzung der Kollegiengebäude am Schloss (Gebäude 20.11 bis 20.14) aufgrund kürzlich vorgenommener Messungen auf PCB eingestellt wurde. Dies betrifft sowohl den Instituts- und KIT-Fakultätsbetrieb, wie auch Seminarräume und die Fachbibliothek Wirtschaftswissenschaften. Alle Seminarräume und die Fachbibliothek werden geschlossen, die Nutzung der Räume ist gemäß der dem BUND vorliegenden Informationen seit dem 2. September nicht mehr möglich.

Der BUND Karlsruhe fordert das KIT deshalb auf, umgehend darüber zu informieren, welche PCB-Belastung in den Gebäuden 20.11. bis 20.14 auf der nördlichen Seite des Schlossplatzes am KIT besteht. Ebenso fordert der BUND, dass durch ein Untersuchungsprogramm sichergestellt wird, dass keine weiteren PCB-Belastungen in anderen Gebäuden unentdeckt die Studierenden und Mitarbeitenden am KIT gefährden.

Schon im vergangenen Jahr wurde offenbar festgestellt, dass die Kollegiengebäude am Schloss mit polychlorierten Biphenylen (PCB) belastet sind. Die aktuellen Messergebnisse zeigen unerwartet hohe Belastungen, welche deutlich oberhalb der Interventionswerte liegen. Seit geraumer Zeit wurden Vorsorgemaßnahmen (regelmäßiges Lüften und zusätzliche, feuchte Reinigungen der Flächen) getroffen. Im Frühsommer dieses Jahres erfolgte eine erneute Bewertung der Schadstoffbelastung der Flächen. Danach wurde vorgesehen, die betroffenen Flächen so rasch wie möglich zu räumen und der Sanierung zuzuführen. Vom KIT wurde den Studierenden und Beschäftigten derweil versichert, dass die herrschende Situation keine akute Gesundheitsgefährdung darstelle. In diesen Gebäuden, die nun nicht mehr frei zugänglich sind - der Nutzungsbetrieb wurde eingestellt, um eine Verschleppung zu verhindern - befinden sich auch die wertvolle Sammlung zum Gesamtwerk Bert Brechts und anderen Raritäten einschließlich eines umfassenden Privatarchivs eines Literaturprofessors, der wie die anderen Wissenschaftler seine aktuellen Forschungsarbeiten, die den Rückgriff auf Bücher der Bibliothek voraussetzt, nicht beenden kann.

Für den BUND bleiben zum jetzigen Zeitpunkt insbesondere folgende Fragen offen, die vom KIT umgehend beantwortet werden müssen:

  • Wann wurden zum ersten Mal PCB Belastungen in den KIT-Gebäuden festgestellt?
  • Gab es gesundheitliche Probleme schon vor den Frühjahrsmessungen bei Mitarbeitenden?
  • Wie hoch genau waren die PCB-Werte?
  • Warum wurden schwangere Mitarbeiterinnen/Studentinnen nicht sofort auf die Gefahr hingewiesen?
  • Warum wurde das Betreten auch der länger besuchten Bibliotheksräume nicht sofort untersagt?

Für Rückfragen:
Harry Block, BUND Karlsruhe, 0721 68065077, harryblock1@t-online.de




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