5. März 2018

Variantenentscheidung beim Rückhalteraum Elisabethenwört: kleine, aber gute Lösung gemeinsam voranbringen

Kategorie: Naturschutz, Gewässerschutz
Impression vom Rußheimer Altrhein - Foto: Hermann Geyer

Arbeitskreis Karlsruhe des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg (LNV), Verein für Vogel- und Naturschutz Dettenheim (VVND) und Regionalverband Mittlerer Oberrhein des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) äußern sich positiv zur geplanten „Kleinen Dammrückverlegung“

Dettenheim/Philippsburg/Karlsruhe. Dass die Planer des Rückhalteraums Elisabethenwört bei Philippsburg und Dettenheim den Auftrag erhalten haben, eine Dammrückverlegung statt eines aufwändigen Polders mit vielen technischen Bauwerken zu planen, begrüßen der Arbeitskreis Karlsruhe des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg (LNV), der Verein für Vogel- und Naturschutz Dettenheim (VVND) sowie der Regionalverband Mittlerer Oberrhein des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Dr. Klaus-Helimar Rahn, Sprecher des LNV-Arbeitskreises Karlsruhe: „Mit der Entscheidung für die so genannte „Kleine Dammrückverlegung“ wurde eine Variante gewählt, die Hochwasserschutz und Naturschutz optimal vereint. Es wird ein gut durchströmter Rückhalteraum entstehen, der die Dynamik der natürlichen Aue bestmöglich zulässt und der die Stabilisierung bestehenden und Entstehung neuen Auwaldes fördert. Zudem meiden Schnakenlarven schnell fließendes Wasser - auch hier erweist sich die Dammrückverlegung gegenüber einem Polder mit engen Ein- und Auslassbauwerken, geringerer Strömung und längeren Standzeiten des Wassers als vorteilhaft. Insgesamt sind die Vorteile der gewählten Variante gegenüber einem gesteuerten Polder und der so genannten Kombivariante überzeugend."

Er ergänzt: „Dass die Planung von Veränderungen auch Bedenken und Befürchtungen auslöst, verstehen wir. Doch gerade die gewählte Variante sorgt dafür, dass die die baulichen Veränderungen am geringsten ausfallen werden. Und sie sorgt dafür, dass Verhältnisse, die zur Entstehung eines von manchen als Schreckensszenario befürchteten „Geisterwaldes“, ausgeschlossen werden.“

„Ich freue mich unheimlich, dass die Variantenentscheidung für eine Dammrückverlegung gefallen ist. Damit kann die Chance genutzt werden, der Natur etwas zurückzugeben und gleichzeitig etwas für den Hochwasserschutz zu tun“, betont Hermann Geyer, Vorsitzender des VVND. „Im Naturschutzgebiet Rußheimer Altrhein-Elisabethenwört muss der Naturschutz Vorfahrt bekommen. Deshalb ist es richtig, dass für den Rückhalteraum Elisabethenwört die Dammrückverlegung gewählt wird“, legt Geyer dar.
„Uns ist es wichtig, dass die Beteiligung jetzt nicht endet. Wir als örtlicher Naturschutzverein VVND wollen uns aktiv bei der Detailplanung einbringen und hoffen, dass möglichst viele weitere Akteure konstruktiv dabei sind.“

„Die Auen am Oberrhein sind in einem schlechten Zustand. Die Folgen von Begradigung, Staustufenbau und Bautätigkeit – in nicht unerheblichem Maß durch den Reichsarbeitsdienst - sorgen dafür, dass die Hochwassergefahr gestiegen und die Lebensgemeinschaften der Tiere und Pflanzen der Auen in ihrer Existenz gefährdet sind“, betont Hartmut Weinrebe, Geschäftsführer des BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein. „Hochwasserschutz und die Wiederherstellung naturnaher Auen sind eine Herkulesaufgabe. Wir haben uns deshalb dafür eingesetzt, dass für diese großen Probleme und auch große Lösungen gesucht werden. Für den Rückhalteraum Elisabethenwört haben wir unter anderem immer wieder gefordert, eine Dammrückverlegung westlich des Rheinniederungskanals nach Süden mit zu untersuchen. Dem sind die Planer zu unserem Bedauern nicht gefolgt.“

„Lieber eine gute, kleine Lösung als Stillstand beim Integrierten Rheinprogramm oder gar Murks“, erläutert Weinrebe die Positionierung des BUND. „Wir setzen darauf, dass es den Planern im Rahmen des jetzt anstehenden Planungsprozesses gelingt, möglichst alle in der Raumschaft für die solidarische Aufgabe des Hochwasserschutzes und der Wiederherstellung naturnaher Auen mitzunehmen: mit guten Argumenten und anschaulichen Beispielen. Gar nicht weit entfernt zeigt sich beispielsweise auf der Ketscher Insel mit wunderschönen, arten- und blütenreichen Auewiesen, wie sich die Rheinlandschaft bei natürlicher Flutung positiv entwickelt.“

Kontakt: Hartmut Weinrebe, BUND-Regionalgeschäftsführer
Telefon 0721 358582, E-Mail bund.mittlerer-oberrhein@bund.net




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