30. November 2018

Verkehrte Welt bei Rastatt: Daimler beschließt Verkehrsvermeidung und -verlagerung auf Schiene und Öffentlichen Verkehr – Landesverkehrsministerium nimmt Abschied von eigenen Planungsgrundsätzen und setzt voll auf beschleunigten Straßenneubau

Kategorie: Verkehr

B 3 Lückenschluss Kuppenheim (Screenshot aus dem Projektinformationssystem PRINS): Landesverkehrsministerium nimmt Abschied von objektiver und Kriterien geleiteter Priorisierung und setzt auf beschleunigten Straßenneubau

Rastatt/Kuppenheim. Mit großer Irritation haben Vertreter des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg (LNV) und des Naturschutzbund Deutschland (NABU) die vor wenigen Tagen ergangene Neupositionierung des Landesverkehrsministeriums zum Vorhaben B 3 Ortsumfahrung Kuppenheim aufgenommen. Darin begründete das Landesverkehrsministerium die bevorzugte und vorgezogene Planung dieses Vorhabens mit zusätzlichem Verkehr aufgrund der geplanten Daimler-Werkserweiterung in Rastatt. „Tatsächlich hat jedoch Daimler bereits im Rahmen der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie zur Werksentwicklung in Rastatt mit der Umsetzung eines Maßnahmenkonzepts zur Verkehrsreduzierung und -verlagerung begonnen. So werden beispielsweise Güterverkehre nach Ungarn und Spanien vom LKW auf die Schiene verlagert“, erläutert BUND-Regionalgeschäftsführer Hartmut Weinrebe. „An weiteren Bausteinen eines umweltverträglicheren Mobilitätskonzepts, wie der Planung eines Gleisanschlusses für das Werk Kuppenheim sowie an Konzepten zur Verringerung des Berufspendlerverkehrs mit dem Auto arbeite Daimler, so BUND, LNV und NABU.

Mit der bevorzugten Planung des Straßenneubauprojekts B 3 Ortsumfahrung Kuppenheim verabschiedet sich das Landesverkehrsministerium vom eigenen Grundsatz der Kriterien geleiteten, objektiven Priorisierung von Straßenplanungen, sind sich BUND, LNV und NABU einig. In der Priorisierungsliste des Landes hatte der Neubau dieses Abschnitts mit nur 22 von 100 möglichen Punkten weit hinten gelegen. Dies zu Recht: Der geplante Lückenschluss B3 führte zu keiner hörbaren Lärmentlastung in Kuppenheim.
„Nicht mehr LKW- und Autoverkehr, sondern weniger – das war und ist Ergebnis des Beteiligungsprozesses zur Werksentwicklung Rastatt. Das Landesverkehrsministerium wäre gut beraten, diese Ansätze aktiv zu unterstützen statt zu torpedieren“, macht Klaus-Peter Gussfeld, Verkehrsreferent des BUND Baden-Württemberg, deutlich.

„Wie offen und engagiert sich Daimler bei der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie auch beim Thema Mobilität zeigte, hat uns positiv beeindruckt“, berichtet Gunter Kaufmann als Vertreter des LNV Arbeitskreis Rastatt / Baden-Baden und ergänzt: „Entscheidend für das Gelingen der Werksentwicklung ist es, dass die erarbeiteten Ziele, Grundlagen und umweltverträglichen Konzepte von allen Beteiligten, d.h. Daimler, Land und Kommunen weiter akzeptiert und umgesetzt werden.“
„Für uns ist es völlig unverständlich, verkehrte Welt, warum nun das Landesverkehrsministerium eine Straßenneubaumaßnahme bei Kuppenheim mit der Werksentwicklung in Rastatt begründet“, beleuchtet NABU-Kreisgeschäftsführer Martin Klatt die vorgezogene Straßenplanung.




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