Schwarzer Tag für die Luft in der Region: Kohlekraftwerk in Karlsruhe genehmigt

Klimaschutz sieht anders aus: „Die Entscheidung des Regierungspräsidiums Karlsruhe für den Bau eines völlig überdimensionierten Steinkohlekraftwerks RDK8 in Karlsruhe konterkariert sämtliche Klimaschutzbemühungen in Baden-Württemberg“, erklärte die Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Baden-Württemberg, Dr. Brigitte Dahlbender. Das Kohlekraftwerk wird jährlich rund sechs Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid ausstoßen. „200 Tonnen Feinstaub und über 2000 Tonnen Stickoxide sollen künftig pro Jahr in die ohnehin schon schmutzige Karlsruher Luft geblasen werden. Dabei überschreiten die Luftschadstoffe schon heute regelmäßig die Grenzwerte. Diese Genehmigung sehen wir als Verstoß gegen die EU-Luftreinhalterichtlinie.“

„Der Kraftwerksblock wird 2050 ein Drittel aller für Baden-Württemberg nach den Klimaschutz-Szenarien des UN-Klimarates (IPCC) eingeplanten CO2-Emissionen ausmachen“, betonte Dahlbender. Dies verhindere die dringend notwendige Energiewende, die auf den drei Säulen Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und die Nutzung erneuerbarer Energien beruhen müsse. Aber das Karlsruher Großkraftwerk werde die Steigerung der Energieeffizienz verhindern, warnte Dahlbender.

Effiziente Energiegewinnung lässt sich vor allem durch Kraft-Wärme-Kopplung realisieren. Doch die Versorgung des kommunalen Wärmenetzes in Karlsruhe wurde erst kürzlich durch die Anbindung der Erdölraffinerie Miro mit einer Wärmetransportleitung gewährleistet. Für die Entsorgung der eigentlich wertvollen Abwärme des Steinkohleblocks bliebe nur der ineffiziente Wärmeferntransport, der den Kraftwerkswirkungsgrad senkende Einsatz des Kühlturms oder die ökologisch nicht zu vertretende weitere Aufheizung des Rheins.

Nicht nur auf das Klima, auch auf die Luftqualität wird sich ein weiteres Kohlekraftwerk fatal auswirken. Nach Angaben der Energie Baden-Württemberg (EnBW) belastet das Kraftwerk die Region Karlsruhe mit zusätzlich rund 200 Tonnen Feinstaub pro Jahr. Dabei gibt es bereits heute zahlreiche Überschreitungen des zulässigen Feinstaub-Grenzwertes PM10: Beispielsweise an der Messstelle „Karlsruher Straße“ im Westen der Innenstadt wurde der Grenzwert im Jahr 2006 an 36 Tagen überschritten.

Die EnBW hat bei einem Erörterungstermin 2007 behauptet, dass die Feinstaubemissionen durch das Kohlekraftwerk irrelevant für die Karlsruher Luft seien. Doch das Gesundheitsamt der Stadt Karlsruhe widersprach der EnBW hierin vehement, denn es gebe schlicht keine Grenze, unter der die Luftschadstoffeinträge vernachlässigbar für die Gesundheit der Bevölkerung wären. Dahlbender erklärte: „Wenn die EnBW sich als großer Klimaschützer aufspielt, belügt sie die Bevölkerung. Unterstützt wird das Unternehmen vom Regierungspräsidium Karlsruhe, das der EnBW ihre Dreckschleuder bewilligt und sich nicht um einen ernsthaften Klimaschutz bemüht.“

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