Problematischer Autobahnanschluss für Baden-Airpark - "Stellenwert wie Stuttgart 21"

Anfang 2006 kam Landrat Bäuerle (Rastatt) auf die Vertreter von LNV, NABU und BUND zu, um die Meinung der Verbände zu einem neuen Anlauf (ein erster war vor Jahren unter anderen Bedingungen gescheitert) für einen Autobahnanschluss des Baden-Airparks zu hören und sie in die Planung einzubeziehen. An den Verhandlungen nimmt Manfred Beck für den BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein teil. Stand der Planung bis zu diesem Zeitpunkt waren statt dem Autobahnanschluss Ost (nördlich von Schiftung) eine Straßenverbindung in Richtung Süden bis zum Autobahnanschluss Bühl und in Richtung Norden mit einer Ortsumgehung Hügelsheim zum Autobahnanschluss Baden-Baden über die B 500.

Das Landratsamt hatte eine Untersuchung für die gesamten Belastungen durch die beiden Verbindungen Nord und Süd versus einer Verbindung Ost zur Autobahn in Auftrag gegeben. Ergebnis war, dass die Ostverbindung eine deutlich geringere Belastung für Natur, Umwelt und Mensch ergäbe. Den Umweltverbänden wurde der Vorschlag gemacht, die vorhandene Landesstraße 80 (L80 Sinzheim - Leiberstung) und die Kreisstraße 3761 (K 3761 nach Schiftung) als Trassen zu verwenden und dann nördlich von Schiftung eine Verbindung zum Airparkareal mit einer neuen Trasse zu schaffen. Problematisch sind hier aus Sicht der Verbände ein Vogelschutz- und ein FFH-Gebiet, die mindestens tangiert werden müssen. Hierüber wird noch verhandelt.

Ein starkes Schwerlast -Verkehrsaufkommen wegen Frachtflügen ist eher unwahrscheinlich. Der meiste LKW-Verkehr kommt nicht vom Flughafen, sondern aus dem Gewerbepark. Hier gibt es z.B. ein Biomasse-Kraftwerk, das bei Volllast täglich mehr als 20 LKW-Ladungen (40-Tonner!) benötigt. Oder Daimler-Chrysler "parkt" einen Teil der PKW-Produktion vom Werk Rastatt auf dem Airparkgelände und fährt im 15-Minuten-Turnus mit Transportern durch Hügelsheim. Bezüglich Flugverkehr ist eher die An- und Abfahrt der Fluggäste mit PKW gravierend. Bei derzeit ca. 900.000 Fluggästen im Jahr (2007) sind das täglich im Schnitt fast 2500 Personen. Ein großer Teil davon kommt mit dem PKW. Es geht also um ein Konzept mit möglichst wenig Auswirkung auf Mensch und Natur für den gesamten Bereich um den Baden-Airpark. Fände die Planung ohne die Verbände statt, wäre es später bei der Präsentation einer fertigen Planung (im Rahmen des ordentlichen Planfeststellungsverfahren, das ja dann trotzdem noch kommt) ungleich schwerer, noch Einfluss zu nehmen. Das Bundesverkehrsministerium hat Anfang 2007 lediglich dem Anschluss an die A 5 zugestimmt. Die Planung der Strassen dorthin obliegt dem Land Baden-Württemberg bzw. hauptsächlich dem Landratsamt Rastatt.

Einschätzung der Umweltwirkung einer Ostanbindung des Baden Airpark - Mit dem Planfall Nord-Süd bzw. dem Planfall Ost sind Ausbau- und Neubaumaßnahmen in nachfolgend aufgeführtem Umfang verbunden:

Planfall Nord-Süd (4) - Planfall Ost (5)

Neubaustrecke insgesamt 4,320 km - 1,675 km

Neuversiegelung Neubaustrecke 6,48 ha - 3,27 ha

Neubaustrecke auf Ackerflächen 3560 m - 310 m

Neubaustrecke auf Wiesenflächen 310 m - 55 m

Neubaustrecke innerhalb von Waldflächen 450 m - 1310 m

Neubaustrecke innerhalb von Schutzgebieten 120 m - 240 m

Ausbaustrecke insgesamt 2,79 km - 2,18 km

Neuversiegelung Ausbaustrecke 1,92 ha - 2,18 ha

Ausbaustrecke auf Wiesenflächen 0 m - 320 m

Ausbaustrecke auf Ackerflächen 650 m - 120 m

Ausbaustrecke innerhalb von Waldflächen 1900 m - 1740 m

Ausbaustrecke innerhalb von Schutzgebieten / zwischen aneinandergrenzenden Schutzgebieten 2570 m - 250 m

Nettoneuversiegelung Neubau- und Ausbaustrecken insgesamt ca. 8,4 ha - 5,45 ha

(4) Ostumfahrung von Hügelsheim mit Einmündung in den Victoria-Boulevard nördlich es Baden Airpark und Südanbindung – Trassenvariante 1, Ausbauquerschnitt 15m

(5) Ostanbindung Trassenvariante 1, Ausbauquerschnitt 19,5m

(Bft Mühlinghaus Planungsgesellschaft mbH)

Die Planung zu dem Autobahnanschluss wurde in 2007 fortgeführt. Martin Klatt hat für BUND, NABU und LNV zwischenzeitlich die Vorstellungen zum Untersuchungsrahmen den Behörden schriftlich mitgeteilt.

Am 12. März 2008 war eine weitere Besprechung im Landratsamt Rastatt, wo Herr Haberecht (Ressortleiter) u.a. sagte, dass seitens der Landesregierung der Autobahnanschluss des Baden-Airparks einen politischen Stellenwert wie Stuttgart 21 habe. Diese Aussage wurde dann mit dem Outing von Ministerpräsident Oettinger bezüglich „Umverteilung“ des Flugverkehrs von Stuttgart zum Baden-Airport und der damit verbundenen „Rückstellung“ zum Bau einer 2. Start- und Landebahn richtig aktuell.