Hochwasserrückhalteraum Elisabethenwört

Am 9. Juli 2014 teilte das Regierungspräsidium Karlsruhe per Pressemitteilung mit, dass die Planungsarbeiten zum Hochwasserrückhalteraum Elisabethenwört im Rahmen des Integrierten Rheinprogramms wiederaufgenommen wurden.

Informationen zum Planungsstand für den Retentionsraum gibt das Regierungspräsidium auf einer eigenen Webseite, zudem wurde zu einer Informationsveranstaltung in Rußheim am 23. Juli 2014 eingeladen.

VVND, BUND, LNV, NABU und BBU AK Wasser wünschen der Konsultation der Öffentlichkeit viel Erfolg. Als Beitrag zur Information der Bürgerinnen und Bürger wurde ein Informationsblatt erstellt, das bei der Informationsveranstaltung ausliegen wird und im Internet heruntergeladen werden kann.

Ein Leitbild für Elisabethenwört und die Dettenheimer Rheinniederung - Wie wird der Hochwasserrückhalt zu einem Gewinn für die Region?

Auenlandschaft am Rußheimer Altrhein - Bild: Hermann Geyer (VVND)

Die Naturschutzverbände BUND, LNV und NABU wie auch der Verein für Vogel und Naturschutz Dettenheim (VVND) und der AK Wasser des Bundesverbands der Bürgerinitaitiven Umweltschutz (BBU) begrüßen, dass die Bevölkerung jetzt mitsprechen darf, wenn es um die Zukunft von Elisabethenwört und der Dettenheimer Rheinniederung geht. Bei den Planungen zum Hochwasserrückhalt ist es erwünscht, dass Bürgerinnen und Bürger, Landwirte, Fischer, Jäger, Imker, Hausbesitzer und Naturschützer ihre Vorstellungen und Wünsche, Meinungen und Kritikpunkte äußern können.

Vom Hochwasserrückhalt kann die ganze Region von Dettenheim bis Philippsburg profitieren

Hochwasserrückhalt und Auenrevitalisierung führen zu einem Mehr an Naturreichtum, Artenvielfalt, Erlebniswert und Erholungsraum. Auch ein naturnaher Tourismus – beispielsweise auf Auenerlebnispfaden (siehe Foto) – wird zu einem Mehrwert für die Region führen. Ausgleichsgelder können dazu beitragen, dass sich die Infrastruktur der Anliegergemeinden verbessern und nicht verschlechtern wird.

Das Integrierte Rheinprogramm (IRP): Hochwasserschutz und Auenrevitalisierung

Für das so genannte Integrierte Rheinprogramm war in den 1980er und 1990er Jahren per Kabinettsbeschluss des Landes Baden-Württemberg vereinbart worden, dass dieses gleichberechtigt zwei Ziele verfolgen soll:

  • Wiederherstellung des Hochwasserschutzes am Oberrhein und
  • Renaturierung und Erhalt der Oberrheinauen.

Das IRP war damit ein fortschrittliches Werkzeug und machte deutlich, dass der Rhein nicht mehr länger auf seine Funktion als Abwasserkanal und Schwerlastverkehrsweg reduziert wurde.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde jedoch bisher das Ziel der Auenrevitalisierung vernachlässigt. Der BUND setzt sich deshalb intensiv dafür ein, dass der Rhein wieder zu einer Lebensader mit hohem Wert für die Natur und das Erleben der Menschen wird.

Dieses Ziel steht dabei in vollem Einklang mit der Bundesumweltministerin Hendricks, die per Pressemitteilung am 26. März 2014 "[...] ein neues Programm zum "Präventiven Hochwasserschutz", an dem das Bundesumweltministerium derzeit mit den Ländern arbeite [ankündigte]. Wenn man den Flüssen mehr Raum gebe, sei das gut für Hochwasserschutz und Naturschutz gleichermaßen. 'Ich bin dafür, dass wir den ökologisch wertvollen Maßnahmen, den Deichrückverlegungen und der Renaturierung von Flussauen beim Hochwasserschutz Priorität einräumen', so die Ministerin."

Naturnahe Rheinauen begeistern die Menschen

Auenwildnis begeistert die Menschen: Großer Andrang auf dem Auenerlebnispfad im Hochwasserrückhalteraum Altenheim. Bild: Nik Geiler (BBU AK Wasser)

Hochwasserschutz am Oberrhein: Ängste, Verantwortung und Chancen

Solidargemeinschaft am Rhein: Jeder ist Unterlieger und Oberlieger!

Auf der Rheinstrecke zwischen Iffezheim und Mannheim profitieren die Anliegergemeinden von den Hochwasserrückhalteräumen, die weiter oberhalb am Rhein zwischen Iffezheim und Basel gebaut worden sind oder noch gebaut werden sollen. Die Städte und Gemeinden rheinaufwärts von Iffezheim (beispielsweise Neuenburg und Breisach) nehmen auf ihren Gemarkungen den Hochwasserrückhalt in Kauf, um den Hochwasserschutz u.a. für Karlsruhe, Dettenheim und Philippsburg zu verbessern. Insofern sollte man hier in der Region sehr vorsichtig sein, wenn man jetzt schon die Forderung erhebt: „Kein Hochwasserrückhalt auf Elisabethenwört!“. Denn auch die Raumschaft bei Dettenheim und Philippsburg steht in Verantwortung für die Unterlieger. Hochwasserschutz an einem großen Strom kann nur solidarisch gelingen.

Ein gesteuerter Polder wird ebenso wie eine Deichrückverlegung mit natürlicher Flutung die bisherige Art der  Bewirtschaftung der in Frage kommenden Areale verändern. Dies wird vor allem die Landwirtschaft betreffen. Die Umweltverbände werden sich dafür einsetzen, dass Bewirtschaftungsänderungen in der Landwirtschaft und sonstige Erschwernisse finanziell entgolten werden. Wenn man es richtig anfängt, können zahlreiche EU-Finanzierungs-Töpfe genutzt werden, um Gelder an Land zu ziehen, die gleichermaßen für den naturnahen Hochwasserrückhalt wie für das Wohlergehen der Anliegergemeinden nutzbar gemacht werden können.

Die Umweltverbände werden im Bürgerbeteiligungsverfahren folgenden Vorschlag zur Diskussion stellen: Auf Elisabethenwört sollte entsprechend dem Motto „Mehr Raum für die Flüsse“ ein naturnaher Hochwasserrückhalt praktiziert werden – am besten unter Einschluss der südlich angrenzenden Flächen bei Dettenheim.



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